Perkutane Tibial-Nerv-Stimulation

Die Wirkungsweise der perkutanen Tibial-Nerv-Stimulation beruht auf einer neuromodulatorischen Beeinflussung der Regelkreise der Blasenspeicherung und –entleerung.

Dazu muss man wissen, das diese Funktionen der glatten Muskulatur der Blasenwand und der Harnröhre sowie der quergestreiften Muskulatur des externen Schliessmuskels obliegen. Diese Strukturen bilden eine funktionelle Einheit, die im wesentlichen durch ein komplexes Zusammenspiel des zentralen und peripheren Nervensystems gesteuert wird. Die parasympathische Nervenversorgung, die für die Detrusorkontraktionen und damit für die Blasenentleerung verantwortlich ist, entspringt im sakralen Rückenmark ( S 2 bis S 4 ). Der "Gegenspieler" ist der sogenannte Sympathikus, der diese Detrusorkontraktionen in der Phase der Blasenfüllung hemmt. Übergeordnete Zentren in Hirn und Rückenmark steuern hierbei diese Regelkreise und Reflexbögen.  Werden diese übergeordenete Zentren zerstört, kommt es zur Überaktivität des Detrusors – einer wesentlichen Ursache der überaktiven Blase.

 

Und genau hier setzt die Wirkungsweise der PTNS an.

nadelDurch intermittierende Reizung eines peripheren Nerven mittels kurzen Stromimpulsen – nämlich des N.tibialis (der eigentlich gar nichts mit der Blasenentleerung zu tun hat, der aber in der gleichen Höhe wie das sakrale Miktionszentrum im Bereich des Rückenmarks – S2 bis S4 -  sozusagen "umgeschaltet" wird ) erreicht man eine Dämpfung der überaktiven parasympathischen Nerven und damit eine Senkung der Detrusorhyperaktivität.
Damit kann man alle drei Symptome der überaktiven Blase ( erhöhte Miktionsfrequenz, Drangsymptomatik und Dranginkontinenz )  positiv beeinflussen.

Für die Durchführung der PTNS benötigt man ein Neuromodulationssystem, welches von der Firma Uroplasty unter dem Namen Urgent-PC-Neuromodulation System angeboten wird.  Es besteht aus einem Stimulator, vervollständigt wird das Equipment durch eine sterile (Akkupunktur-artige ) Elektroden-Nadel und entsprechende Neutralelektrode.

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Nach Einbringen der Elektrodennadel in die Nähe des Nervus tibialis im Bereich des medialen Fuß-Knöchels und Anschliessen an den Stimulator wird für etwa 30 minuten ein pulsartiger elektrischer Impuls appliziert.

Initial erfolgen in wöchentlichem Abstand zunächst 12 Therapiesitzungen, daran schließt sich eine Erhaltungstherapie an, deren Intervall an die jeweilige Beschwerdesymptomatik angepasst ist.

 

urgent-pc

Die Behandlung ist weitgehend nebenwirkungsfrei und ambulant durchführbar.
Die Erfolgsrate liegt zwischen 60 und 80 %, dies haben verschiedene Studien eindeutig belegen können.
( Finazzi-Agro,E. et al (2006). Percutaneous tibial nerve stimulation (PTNS) in the treatment of urge incontinence: A double blind placebo controlled study. Poster, SIUD National Congress. Italy
Vandoninck, van Balken, Finazzi-Agro, Petta, Micali, Heesakkers, et al. (2003). Percutaneous tibial nerve stimulation in the treatment of overactive bladder: Urodynamic data. Neurourol Urodyn, 22, 227-232 )

Sie ist eine ideale Alternative als alleinige Therapie oder in Kombination mit einer medikamentösen Behandlung.
Nicht geeignet ist diese Behandlungsform für Patienten mit einem Herzschrittmacher oder einem implantierten Defibrillator.